| RÖNTGENPORTRAIT |
|
|
|
|
zu Röntgenskulptur
Das Zusammenspiel technischer und kultureller Bilder und der Wahrnehmung bildet den Rahmen für Röntgenportrait. Man kann sich beispielsweise fragen, was Röntgenbilder außerhalb des medizinischen Rahmens bedeuten können – so lassen sich Aussagen über die conditio humana treffen. Röntgenportrait zeigt vielfach vergrößerte Röntgenaufnahmen von Köpfen als Tafelbilder. Das zugrundeliegende Material ist der Restbestand des Archives des sowjetischen Militärlazarettes in Dresden-Hellerau, welches nach dem Krieg im ehemaligen Festspielhaus - erbaut von H.Tessenow, das Festspielhaus avancierte früh zu einem Richtpunkt für die Architektur der Moderne - untergebracht war. Diese Röntgenaufnahmen weisen nicht nur den typischen abstrakten Knochenausdruck auf, der Betrachter nimmt auch gesichtsähnliche Züge wahr. Ob sich dies der Art der Röntgenapparatur und der Stärke der Strahlung verdankt, bleibt ungewiß. Die Analyse der Aufnahmen durch Radiologen konnte dazu keine Klärung bringen. Zu der Eigentümlichkeit des „Gesichtsartigen“ dieser Aufnahmen kommen die Praktiken beim Röntgen: für Nasenhöhlen- oder Kieferaufnahmen müssen die Patienten den Kopf in eine bestimmte Richtung neigen und bisweilen den Mund öffnen bzw. auf ein mit einer Flüssigkeit getränktes Kissen beißen. Diese Verstärkung des Ausdruckes auf der Bildebene führt zur Verunsicherung der Interpretation: zeigen die vorliegenden Röntgenaufnahmen geöffnete Münder, also Schreie, handelt es sich um Folterungen? Die Palette der Interpretationen dieser Aufnahmen balancierte immer am Gerüst eines „Unheimlichen“, und darin zeigt sich die Ungewissheit des Betrachters anhand einer Bildgebung ohne räumliche Orientierung. Röntgenaufnahmen empfehlen keinen Raum, in dem ein Körperteil lokalisierbar wäre, der Entzug der räumlichen Analogie läßt auch die zeitliche Dimension im Unbestimmten. Zu den Kopfaufnahmen wurden für die Installation Handaufnahmen ausgewählt, die in ihrer Gestik Bezüge zur christlichen Ikonographie aufweisen. Der Ausdruck Röntgenportrait wurde für diese Installation gebildet um den Begriff des Portraits zu erweitern und um auf die spezifische Ausdrucksweise der „Hellerauer Aufnahmen“ hinzuweisen. Portrait of this mortal coil ist eine Installation von 150 x 200 cm großen Tafelbildern im Festspielhaussaal. James Welburn schrieb für die Installation den Sound Hellerau. 2005 erschien die Publikation Röntgenportrait, in welcher Fragen zu Portrait, Identität und dem Zusammenwirken von Röntgen, Kunst und Alltag behandelt werden. Insgesamt gibt es 35 Röntgenportraits. Das Ausgangsmaterial wurde vorsichtig digital bearbeitet. Die Installation im Festspielhaus Hellerau umfasste 10 Röntgenportraits a 150 x 200 cm.
01
02
03
04
05
06
07
08
10
11
12
14
15
Installation "Portrait of this mortal coil"
zu Röntgenskulptur
|

















